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Wasserkraftwerk Porjus

Wasserkraftwerk Porjus
Wasserkraftwerk Porjus – ein Fixpunkt in der industriellen Entwicklung Schwedens im frühen 20. Jahrhundert. Das Kraftwerk Porjus befindet sich am Fluss Stora Lule Älv in der Gemeinde Jokkmokk im Norden Schwedens, nahe dem Polarkreis. Das Kraftwerk wurde Anfang des 20. Jahrhunderts gebaut, um die sogenannte Erzbahn zwischen Luleå und Narvik mit Strom zu versorgen. Das neue Wasserkraftwerk und die von ihm ausgehenden Stromleitungen trugen zu einem starken Wachstumsschub im schwedischen Bergbau bei. Porjus ist das drittgrößte Kraftwerk in Schweden. Porjus ist zugleich die letzte Station auf dem Weg nach Laponia, einem von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärten Gebiet, das vier Nationalparks umfasst.

Fakten zur Wasserkraft und zum Fluss Lule Älv

Wasserkraft ist eine zuverlässige, sichere und erneuerbare Energiequelle. Heute wird fast die Hälfte des gesamten Energieverbrauchs in Schweden aus Wasserkraft gewonnen. Der Fluss Lule Älv, an dem sich Porjus befindet, ist für die Wasserkrafterzeugung von Vattenfall und von ganz Schweden der wichtigste Fluss. Das entspricht fast zehn Prozent des schwedischen Energieverbrauchs in einem durchschnittlichen Jahr. Die erste Phase der Erschließung des Lule Älv fand in den Jahren 1910–1915 statt, angefangen mit dem Bau des Kraftwerks Porjus. Das jüngste Kraftwerk am Lule Älv liegt nahe dem kleinen Dorf Ritsem und wurde 1977 fertig gestellt. Insgesamt liegen entlang dem Lule Älv von der norwegischen Grenze bis zur Mündung in den Bottnischen Meerbusen 16 Kraftwerke. 

Als erneuerbare Energiequelle wird die Wasserkraft auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Vattenfall tätigt umfangreiche Investitionen in seine Wasserkraftwerke, um deren Kapazität zu erhöhen und die Staudämme zu verstärken. Dadurch sollen sowohl die Produktionskapazität als auch die Sicherheit der Anlagen erhöht werden. 

Modernisierungen und Entwicklungseinheiten

Ein neues Kraftwerk mit zwei neuen Einheiten wurde Mitte der 1970er Jahre (1971–1975) gebaut. Das neue Kraftwerk hat eine Gesamtleistung von 465 MW, also mehr als das Zehnfache dessen, was das alte Kraftwerk brachte. 

Da alle neuen Transformatoren unterirdisch verlegt wurden, war kein neues Gebäude vonnöten. Das alte Gebäude blieb jedoch als Baudenkmal und Besucherzentrum erhalten. Der alte Staudamm wurde ebenfalls durch einen Steinschüttdamm mit einem Kern aus undurchdringbarem Material (Moräne) ersetzt, der unmittelbar stromabwärts des alten Staudamms steht. Er wurde mit zwei Überläufen ausgerüstet, die durch Segmentwehre geschlossen werden. 

Geschichte – Wasserkraft war ein wichtiger Faktor bei der industriellen Expansion und Entwicklung in Schweden

Wasserkraft wurde bereits im 13. Jahrhundert genutzt. Es wurden Schrotmühlen und Sägewerke gebaut und Baumstämme die Flüsse hinab geflößt, die zu wichtigen Transportwegen wurden. Doch der wichtigste Beitrag der Flüsse zur gesellschaftlichen Entwicklung wurde erst sehr viel später realisiert. 

Ab der Spätphase der industriellen Revolution wurde im größeren Maßstab Strom verbraucht. Jahrhunderte lang war nur ein kleiner Bruchteil der kinetischen Energie der Fließgewässer überhaupt genutzt worden. Doch um die Jahrhundertwende 1900 entdeckten Ingenieure allmählich das enorme Potenzial der Wasserkraft. Im Jahr 1910 begann das erste Wasserkraftwerk Schwedens, Olidan am Fluss Göta Älv, die Industrie und Eisenbahn mit Strom zu beliefern. Dies war der Startschuss für die Erschließung des Lule Älv für die Wasserkraft und den Bau des Kraftwerks Porjus. Bis dahin war die Gesellschaft der Elektrizität gegenüber sehr skeptisch eingestellt gewesen. Doch nachdem das Problem des verlustfreien Stromtransports über größere Entfernungen gelöst worden war, gewann sie rasch an Zustimmung. 

Der Kraftwerksbau begann im Jahr 1910, als weder Straßen noch Eisenbahn nach Porjus führten. Sowohl die Bauarbeiten selbst als auch der Transport von Baumaterial waren sehr mühsam, da alles aus der nächstgelegenen Stadt Gällivare – immerhin 50 Kilometer entfernt – herbeigeschafft werden musste. In den ersten Monaten wurden fünf Tonnen Material und Versorgungsgüter über Plankenwege in die straßenlose Wildnis bei Porjus getragen. Die extrem schwere und zeitraubende Arbeit wurde 1911 dank der Fertigstellung der Erzbahn-Strecke von Gällivare nach Porjus erheblich erleichtert. 

Im Jahr 1915 weihte König Gustaf V. das Wasserkraftwerk Porjus ein. Er tat dies telefonisch, da seine Berater eine so lange Reise zu Kriegszeiten als zu unsicher einstuften. Porjus entwickelte sich schnell zu einem Fixpunkt im industriellen Schweden, das immer größere Mengen Energie verbrauchte. Bei Inbetriebnahme des Kraftwerks gab es bereits 20 Wasserkraftwerke an verschiedenen Orten im Land, aber Porjus erregte aufgrund seiner geografischen Lage und der für damalige Verhältnisse hochmodernen Konstruktionstechnik besonders viel Aufmerksamkeit. Das Kraftwerk liegt unterirdisch und wurde in den Felsgrund hineingesprengt. Zwischen 1920 und 1960 wurde die Turbinenzahl in dem alten Kraftwerk auf neun Einheiten erhöht. Die Turbinen funktionieren noch, werden jedoch nicht mehr täglich genutzt. Stattdessen werden sie zur Erprobung neuer Ausrüstung eingesetzt.